Kunst und Raum: Brilons neuer Treffpunkt für Austausch und Ideen
Brilon. Die Galerie „Kunst und Raum“ soll Kunst erlebbar machen und Brilons Innenstadt kulturell bereichern. Die Eröffnung steht kurz bevor.
Von Victoria Erbes
Margit Heuser (rechts) eröffnet in Brilon eine Galerie für sich und sechs weitere Künstlerinnen. So will sie die Innenstadt bereichern.© WP | Victoria Erbes
Ein neuer Raum für Kunst – das ist es, was Margit Heuser im Zentrum von Brilon möglich macht. In der Derkere Straße 10 hat die Künstlerin dafür den perfekten Ort gefunden, der nun den Namen „Kunst und Raum“ tragen wird. „Ich möchte, dass die Malerei nicht nur betrachtet, sondern auch erlebt wird“, erzählt Heuser. „Vielleicht entdeckt sogar jemand ein neues Lieblingsbild.“
Den Namen hat Margit Heuser bewusst gewählt: „Bisher gab es keinen Raum der Sichtbarkeit für Künstler.“ Das sei im Künstlerverein ein wiederkehrendes Thema. Und auch wenn die eigene Malschule bisher gut läuft, stellt Heuser fest: „Bis nach da hinten kommt keiner, um sich die Bilder nur anzugucken.“
Kunst im Pop-Up Store
Deshalb sei der neue Standort im Briloner Zentrum ideal. „Wir sind innerhalb der Stadtmauer, es laufen viele Leute vorbei und der Markt ist auch in der Nähe.“ Der Raum wurde vorher von der Brilon Wirtschaft und Tourismus (BWT) genutzt. Die Theke, die Aufsteller für Prospekte und die weißen Wände konnten von Margit Heuser gut weiterverwendet werden.
Die ehemaligen Räume der BWT müssen für die Galerie nicht großartig verändert werden. Die Bilder sollen im Zentrum stehen.© WP | Victoria Erbes
„Erstmal ist der Raum wie ein Pop-Up Store“, erklärt Margit Heuser. Bis Ende 2026 läuft der aktuelle Mietvertrag – ein Jahr also, um das Konzept auszuprobieren. Eigentlich hatte die Künstlerin vor, durch das städtische Förderprogramm mit Mietzuschuss einen der Leerstände zu füllen. „Als ich nachgefragt habe und die verfügbaren Räume gesehen habe, hat mich keiner wirklich überzeugt.“ Doch der letzte Raum, der der BWT, war schließlich das, was sie gesucht hatte. „Aktuell bin ich sozusagen eine Untermieterin der Stadt.“
Sieben Künstlerinnen – sieben Stile
Um die Galerie auf die Beine zu stellen, hat Margit Heuser alle ihr bekannten Künstler und Künstlerinnen gefragt, wer sich daran beteiligen möchte. Insgesamt sind es nun sieben Künstlerinnen – ausschließlich Frauen – die ihre Werke in Kunst und Raum ausstellen werden. „Vier kommen hier aus der Gegend, aber wir bekommen auch Unterstützung aus dem fränkischen Raum und aus Bonn.“
Noch hängen nicht alle Bilder an ihren neuen Plätzen. Die verschiedenen Stile und Werke müssen aufeinander abgestimmt werden.© WP | Victoria Erbes
Dementsprechend werden auch unterschiedliche Stile und Techniken auf den Leinwänden in der Galerie zu sehen sein; von Landschaftsmalerei über Portraits bis hin zur Abstraktion soll alles vertreten sein. „Wir machen das alle schon sehr lange“, versichert Margit Heuser. „Ich bin gespannt, wie die Briloner das Angebot aufnehmen.“
„Es wäre sehr schade, wenn das hier nicht funktioniert“, schließt die Künstlerin. Immer wieder sehen Spaziergänger von außen in die Galerie. Margit Heuser telefoniert, bespricht, plant. Außer den Künstlerinnen ist niemand für die Galerie angestellt worden, sie werden alle Dienste selbst erledigen.
Margit Heuser achtet darauf, dass die Bilder auf Augenhöhe hängen und gut beleuchtet werden. Besucher sollen den bestmöglichen Einblick bekommen.© WP | Victoria Erbes
Die letzten Schritte zur Eröffnung
Für die Eröffnung am 30. November muss aber nicht mehr allzu viel getan werden. „Ein paar Möbel kommen noch hier rein und natürlich müssen die Bilder aufgehängt werden.“ Einige haben bereits ihren neuen Platz gefunden, andere müssen erst noch einem der vielen Räume zugeordnet werden. „Das ist eben das schöne an einer Galerie: Sie wird von der Kunst getragen und nicht von der Einrichtung“, sagt sie schmunzelnd.
Eröffnung Kunst und Raum
Am 30. November, Sonntag, öffnet Kunst und Raum zum ersten Mal seine Türen. Ab 11 Uhr können Interessierte bei Musik, Snacks und Getränken die Werke der sieben Künstlerinnen betrachten. Einleitend spricht Thomas Mester. Der Eintritt ist kostenlos.
Margit Heuser achtet darauf, dass die Bilder auf Augenhöhe hängen und gut beleuchtet werden. Besucher sollen den bestmöglichen Einblick bekommen.© WP | Victoria Erbes
Ein Kunstraum für alle
Etwas nachdenklich ergänzt sie: „Eigentlich möchte ich es gar nicht unbedingt Galerie nennen.“ Häufig hätten Leute dann Sorgen, dass sie besonderes Wissen haben müssten, um eine Galerie zu betreten. Das soll hier aber explizit nicht der Fall sein: „Kunst atmet, wenn sich Menschen begegnen.“ Für Margit Heuser ist es schon ein Erfolg, wenn Besucher sich in Kunst und Raum treffen, die Kunst erleben und sich austauschen. „Wobei wir uns natürlich auch freuen, wenn die Bilder gekauft werden.“
Margit Heuser achtet darauf, dass die Bilder auf Augenhöhe hängen und gut beleuchtet werden. Besucher sollen den bestmöglichen Einblick bekommen.© WP | Victoria Erbes
Viele neue Ideen
Auch über die Eröffnung hinaus hat Margit Heuser bereits viele Vorstellungen für Kunst und Raum: „Ungefähr alle zwei Monate stellen wir in einer Vernissage unsere neuen Werke vor.“ Auch thematische Ausstellungen soll es geben, verschiedene Events sollen ebenfalls stattfinden. „Ich könnte mir auch verschiedene Vorträge vorstellen“, überlegt Heuser weiter, „Zum Beispiel zu der Frage ‚Wie betrachtet man Kunst‘ oder ‚Worauf muss ich achten, wenn ich zuhause ein Werk aufhängen will?“