Jan 14, 2013 | Von: Margit Heuser Keine Kommentare

Loben – aber richtig

Wann wurden Sie das letzte Mal gelobt? In meinen Trainings beschweren sich immer wieder Mitarbeiter: „Wir werden überhaupt nicht gelobt.“ Und dann gibt es die Chefs die auch gern reklamieren: „Ich werde auch nie gelobt.“ Warum gibt es so eine Lob-Sehnsucht?

Wir haben schon als Kinder gelernt, uns auf die Fehler zu konzentrieren, und suchen sie bis heute – auch bei unseren Kollegen und unseren Chefs, bei unserer Familie und unseren Partnern. Wir sehnen uns jedoch gleichzeitig nach Lob und Anerkennung. Ja, die Deutschen haben sich schon eine seltsame Lobkultur ausgedacht. Neben dem altbekannten Jammern und Nörgeln ist es vor allem ein ausgeprägter Hang zum Lobgeizen.

Warum fällt es uns so schwer, Lob auszusprechen, obwohl wir an seine Kraft glauben? Positive Botschaften wirken doch Wunder? Oder nicht? Zum einen sind es wohl Kindheitserfahrungen und der alte Glaube, dass, wer gelobt wird, nur faul und schlapp wird mit der Zeit. Ganz falsch ist das nicht. Gewöhnt man sich an ständiges Loben, verfehlt es seine Wirkung, der Gelobte könnte abstumpfen.

Zum anderen gibt es immer wieder Gegner des Lobens. Von der „Obszönität des Lobens“ spricht der Soziologe Dirk Baecker von der Zeppelin University in Friedrichshafen. Lob sei zudringlich, eine Geste der Infantilisierung, eine Beleidigung, wenn es von den falschen Leuten komme. Es diene als „gesprächstaktische Schmierseife“ und als „Fast-Food-Zuwendung“, meint Management-Theoretiker Reinhard Sprenger aus Zürich, Verfasser des Bestsellers „Mythos Motivation“. Man solle die Finger vom Loben lassen, rät er. Es habe fatale Folgen – Gerechtigkeitsprobleme, Passivität, Belohnungssucht mit immer höheren Reizniveaus.

Loben ist eine Kunst. Was sollten Sie beachten? Wie geht den das „Loben“? Versuchen wir es mal…

9 Tipps zum Loben – aber richtig

  1. Individuell. Ein Mitarbeiter, der sich mit einer neuen Thematik auseinandersetzt, strengt sich womöglich mehr an, als jemand der diesen Job schon lange macht. Beachten Sie nicht nur die offensichtlichen Leistungsträger.
  2. Immer unter vier Augen. Ein Lob an eine einzelne Person wird immer unter vier Augen ausgesprochen – es sei denn, es handelt sich um eine offizielle Ehrung.
  3. Ehrlichkeit. Authentisch zu sein ist das oberste Gebot. Loben Sie von Herzen. Bevor Sie ohne Überzeugung oder nur strategisch loben, loben Sie lieber nicht! Trainieren Sie positive Botschaften zu vermitteln. Vermeiden Sie auch dringend das überdosierte, unehrliche, platte oder manipulierende Lob. All dies wird meistens durchschaut und als unaufrichtig entlarvt.
  4. Genaue Beschreibung. Beschreiben, begründen und vor allem genau hinsehen und hinhören. Das ist auch schon eine Anerkennung. Ein Lob von einem Kenner freut viele Menschen besonders.
  5. Augenhöhe. Sich respektvoll zu begegnen, sollte Freunden, Kollegen und Partnern leichtfallen. In Hierarchien ist es für den Chef wichtig, eine neutrale Sachebene zu finden. Das heißt nicht von oben herab und ohne Gönnermiene. Dann kann auch ein Austausch in beiden Richtungen möglich sein. Auch ein Chef wird gern gelobt. Bei Kindern ist Augenhöhe durchaus wörtlich zu nehmen.
  6. Gerechtigkeit. Achten Sie darauf, dass Ihr Lob den Richtigen trifft und nicht diejenigen ausschließt, die es ebenfalls verdient haben. Die Kriterien Ihres Lobs sollten transparent, von den Anderen anerkannt und moralisch gerechtfertigt sein. Hüten Sie sich vor Ihren eigenen Launen und Schwankungen.
  7. Sensibilität für die Situation und die Person. Reagieren Sie mit ausreichend Zeit. Fragen Sie sich: Steht mir ein Urteil zu? Möchte der andere es hören? Ist es angemessen? In ihrem Bedürfnis nach Anerkennung, in ihrem Stolz und ihrer Scham unterscheiden sich die Menschen sehr. Manchmal ist einfach ein Blick oder eine Geste passend. Wie viel Gefühl und Euphorie Sie beim Loben zeigen, dürfte eine Frage Ihres Wesens sein.
  8. Keine sprachliche Einschränkung. Wenn Sie wirklich loben (und nicht urteilen) wollen, dann machen Sie ihr Lob nicht klein durch angehängte Kritik. Verzichten Sie auf entwertende Worte wie „aber“, „vielleicht“, „relativ“ und „eigentlich“.
  9. Zeitnah. Direkt im Anschluss an eine Leistung. Nicht erst Tage später. Wer keine unmittelbare Rückmeldung über die Qualität der Arbeit gibt, lässt Sie im Ungewissen über die Güte Ihrer Leistung.

Wie möchten Sie gelobt werden? Ich freue mich über viele Rückmeldungen!

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